Der -Player kann leider nur geladen werden, wenn Sie der Verwendung von Drittanbieter Cookies & Skripten zustimmen.

Sie haben zu einem früheren Zeitpunkt eine Auswahl zur Verwendung von Cookies & Skripten von Drittanbietern getroffen.

Klicken Sie hier um Ihre Auswahl zu ändern oder Ihre Zustimmung aufzuheben.

Social Media im Recruiting – welche Kanäle sind wichtig für mein Recruiting?

Social Recruiting und Social-Media-Recruiting werden schon seit geraumer Zeit als die unverzichtbaren Instrumente beim immer härteren Wettbewerb um neue Mitarbeiter gepriesen. Mal vom Fakt abgesehen, dass nicht gerade wenige Agenturen, Berater und Personaldienstleister weder die Begriffe, noch die damit verbundenen Maßnahmen richtig verwenden, ist das durchaus korrekt. Vorbei sind die Zeiten einer einzigen Stellenanzeige, die zielsicher und umgehend zur perfekten Besetzung führt. Die Stellenbörsen selbst müssen nämlich nicht nur um die Anzeigenkunden kämpfen, sondern immer mehr um User!

In unserer neuen Beitragsreihe erläutert unser Experte Andree Hochbach verschiedene Social-Media und ihre Tauglichkeit beim Recruiting.

Nicht der Anfang, aber das Ende

In der ersten Ausgabe unserer Social-Media-Reihe widmen wir uns dem Social-Media-Giganten schlechthin – Facebook. Das wohl bekannteste Social Network ist aktuell auch das größte. Inzwischen zählt der Media-Riese 16 Jahre und ist somit nicht mehr Teenager, sondern Senior in der Welt des Online-Marketings. Die Plattform maß im ersten Quartal 2020 ca. 2,6 Milliarden monatliche Nutzer und wächst – zumindest statistisch gesehen – damit weiter stark.

  

Betreutes Surfen für Boomer

Damit werfen wir einen kurzen Blick auf die Zielgruppen und entdecken erste Risse in der sonst, zumindest von den Werten her, so makellosen Fassade. Denn da rumort es schon eine ganze Weile. Bereits vor 2014 war ein Rückgang junger Nutzer auf Facebook zu sehen. In Deutschland verliert das Netzwerk, je nach Statistik, sogar in der Gesamtbevölkerung Nutzer. Feststeht, Facebook ist ein Senior der Branche für die Seniors und in naher Zukunft für Senioren. Wer junge Zielgruppen (bis 25 Jahre) erreichen will, sucht hier bald vergebens. Das Engagement junger Menschen bricht hier Negativrekorde. Am beliebtesten ist das Netzwerk aktuell bei den 24-35-Jährigen. Dabei altert das Netzwerk schneller, als die Bevölkerung und gewinnt vor allem bei den Ü65-Jährigen und der 50+ -Generation.

 

Es bildet dabei ein relativ breites, wenn auch nicht repräsentatives Bild der Gesellschaft (auf Deutschland bezogen) ab. Denn auch in der Nutzerstruktur, fern ab vom Alter, weist es einen gewissen Trend auf. Um nicht zu pauschal zu urteilen, belassen wir es dabei, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Facebook-Nutzer ein Problem mit sachlichen Diskursen und medialen Informationsmanagement hat. Facebooks Bemühungen sich neuen und „alten“ jungen Zielgruppen zu öffnen, bleibt eher mäßig erfolgreich. Da helfen auch die Zukäufe der letzten Jahre wenig oder das Funktions-all-you-can-lead, was Facebook seit 2012 fast manisch betreibt.

 

Viel zu vielseitig

Das bringt uns zu den Funktionen von Facebook. Sie alle aufzulisten, wäre kaum sinnvoll. Deswegen ein paar exemplarische Funktionen und in wie weit sie relevant für Facebook oder das Recruiting sind.

Neben Text, Bild und Bewegtbild setzt Facebook inzwischen vor allem auf Live-Streaming-Events und mit der „Kooperation“ vom Live-Streaming-Dienst Mixer wohl auch auf Gaming. Die Info ist zum Zeitpunkt des Schreibens so neu, dass ich sicherlich noch einen Nachtrag mit Details verfassen werde.

Der Deal an sich erscheint – zumindest aus Sicht von Facebook – logisch. Ziel ist wieder mehr junge User zu Facebook zu ziehen und weitere Nutzerdaten zu generieren. Das eigene Angebot von Facebook-Gaming gilt in der Gaming- und Let‘s-Play-Szene als Witz. Noch am Tag des Announcements von Mixer, meldeten sich fast konsonant die Creator (Streamer) von Mixer, nicht mit zu Facebook zu ziehen. 

Live-Streaming oder Gaming sind nicht die einzigen Features (ich nenne es mal Features, weil Facebook in der Regel nach der Implementierung einer Funktion das jeweilige Themengebiet als abgehakt betrachtet), die Facebook sich quasi einverleibt hat. Die Story-Funktion, die erst durch Instagram (gehört auch zu Facebook) und dann durch Facebook selbst von snapchat, nett formuliert, entlehnt wurde, war nur ein kleiner Schritt. Facebook integrierte erst kürzlich eine Shopping-Funktion – als Lösung für den kleinen stationären Handel, in der Corona-Krise – wurde zwischenzeitlich verlautet. Das ist natürlich Quark, da die Funktion bereits vor Corona in Planung war und die umstrittene eigene Währung weit davor angekündigt wurde. Es ist Facebooks Versuch zum chinesischen Wettbewerb von WeChat aufzuschließen.

 

Facebook-Jobs

Als letzte Beispielfunktion sei Facebook-Jobs genannt, welches ganz klar auf unser Kernthema Recruiting abzielt. Im Prinzip handelt es sich hier um Facebooks ganz eigenes Stellenportal mit zeitgleicher Ad-Funktion in Facebook (und theoretisch Instagram). Dabei kann man auf die Daten von Facebook für das eigene Targeting zurückgreifen. Kombiniert man das Ganze mit einigen Ads kann man relativ zügig und verhältnismäßig kostengünstig tatsächlich einige Reichweite erzielen. Der Vorteil besteht vor allem gegenüber von Stellenportalen, die selbst erst Nutzer auf ihre Seite locken müssen, während Facebook zumindest die latent Suchenden direkt erreichen kann. 

Aus eigener Erfahrung kann das sogar schnell zu Resultaten führen und das auch ohne Kosten auf Facebook selbst. Denn das Einstellen einer Jobanzeige ist zunächst kostenfrei. Für die nötige Reichweite ist es zwar hilfreich mit etwas Anzeigengeld nachzuhelfen. Notwendig ist es aber nicht zwingend.

  

Zurück in die Zukunft

Wie wird sich Facebook entwickeln und lohnt es sich für mich Facebook als Social-Media-Recruiting-Kanal zu nutzen?

Nun, zur „Recruiting-Tauglichkeit“ kommen wir zum Schluss. Es ist natürlich ein Blick in die Glaskugel, denn gerade der digitale Markt kann jederzeit unvorhergesehene Wege einschlagen. Dafür ist die Entwicklung von neuer Technologie und Programmen zu schnell und vielfältig. Dennoch lassen sich Trends erkennen und Prognosen mit einigermaßen zuverlässigen Aussagen treffen.

Festzuhalten bleibt, dass Facebook seiner Entwicklung bei jungen Usern nicht entgegenwirken kann. Dennoch ist es aus meiner persönlichen Sicht aktuell keine Option Facebook nicht zu nutzen. Natürlich gibt es Ausnahmen und man muss überlegen, ob Facebook nötig ist, wenn man sowohl im Recruiting, als auch im Vertrieb eine besonders junge Zielgruppe ansprechen will. Insbesondere zur Ansprache von potentiellen Auszubildenden ist Facebook eine Frage der eigenen Strategie und Möglichkeiten.

 

Die Überladung mit Funktionen in Kombination mit der ständigen Änderung von Features, der Anordnung von Bedienelementen und dem permanenten Imageknacks in Bezug auf Datensammeln oder der Umgang mit Fake News und Hate-Speech zeichnen ein eher düsteres Bild. Zugegeben, ich attestiere Facebook den schleichenden Tod schon seit 2015 und bisher ist er noch nicht eingetreten. Wer aber genau hinschaut, sieht, man reitet einen toten Gaul, den man ständig mit Steroiden vollpumpt, ihm durch kosmetische Eingriffe Flügel anschraubt und Rollerblades an die Hufe schnallt, um schneller vorwärts zu kommen.

Junge Zielgruppen waren schon immer ein guter Indikator für mittelfristige Entwicklungen und so scheint Facebook mit seiner Funktionsgewalt genau das zu sein, was junge User (und die meisten UI- & UX-Experten) nicht wollen. Fokussiert auf einen wesentlichen Zweck zeigt ein (inzwischen) hauseigenes Social-Media, wie es besser geht.

Es ist schwer zu sagen, wie lange der Gigant noch so weitermachen kann oder ob er sich nicht doch noch von der fetten Raupe in einen wunderschönen Schmetterling wandelt. Ich glaube aktuell nicht daran.

 
Recruiting-Tauglich oder entlassen?

Wie schon kurz erwähnt, ist das wie bei allen anderen Netzwerken auch, eine Frage des eigenen Vorhabens. Für Auszubildendengewinnung oder die Ansprache von jungen hochqualifizierten Fachkräften, sowie von Führungspersonal ist Facebook nur bedingt geeignet. Das bedeutet aber nicht, dass man Facebook nicht auch für diese Zielgruppen nutzen sollte. Über die Ad -Funktion lassen sich die Zielgruppen relativ gut adressieren, mit genügend „Kleingeld“ erlangt man sogar eine relevante Reichweite.

 

Aus meiner Sicht eignet sich Facebook gut bei Stellen mit einer Ausbildung für eine sehr breite Anwendungsmöglichkeit (Bürokaufmensch, Einzelhandel, Call-Center, Service oder einfache Tätigkeiten in der industriellen Produktion etc.) oder einzelner spezialisierter Tätigkeiten (Elektroinstallateur/in, Friseur/in oder auch Sanitäter, Pflegekräfte usw.). Und bevor es aufkommt, das ist keine Wertung der Berufe oder Facebook-Nutzer (muss man inzwischen ja leider deutlich machen), es ist meine persönliche Einschätzung, wie man Facebook am ehesten für das eigene Recruiting nutzen kann.

Hier kommt es aber auch auf die Strategie und den Content selbst an. Wer kurzfristig auf FB Erfolge erzielen will, wird um Facebook-Jobs in Kombination mit Ads nicht herumkommen. Wer mittelfristig erfolgreich sein möchte, nutzt Facebook besser permanent und muss dementsprechend Content produzieren und seine Community aufbauen. Als Employer-Branding-Instrument hat Facebook dann doch noch so einiges zu bieten. Hier lohnt es sich durchaus auch andere Zielgruppen anzusprechen. Grundsätzlich nutzen auch Fach- und Führungskräfte das Netzwerk. Die Frage ist nur, ob sie sich hier zur Abfrage einer Stellenanzeige überzeugen lassen. Da erscheint der Kanal als zu unspezifisch für die oft gesteigerten Ansprüche dieser Zielgruppen. Das Unternehmen als passenden Arbeitgeber auf Facebook zu inszenieren, ist aber nicht nur für diese Zielgruppe durchaus relevant. In der Regel profitiert man als Unternehmen im Allgemeinen, mitunter aber auch im Vertrieb davon. 

 

Und bis es sich tatsächlich nicht mehr lohnt auf Facebook aktiv zu sein, wird in digitalen Maßstäben, noch so einige Zeit vergehen. Daher rate ich zu schauen, ob sich die eigene Zielgruppe hier aufhält und in jedem Fall ein kleines Engagement zu prüfen, um das eigene Employer Branding zu stärken. Eine bewusste Abstinenz kann hier aber ebenso ein Statement sein.

 

Andree Autor pp

Zum Autor:

Andree Hochbach ist studierter Kommunikationswissenschaftler und Dozent für strategisches & operatives Online-Marketing sowie Social-Media & Mobile-Marketing. Digitale Tools und junge Zielgruppen stehen bei ihm besonders im Fokus. Außerdem berät er verschiedene Unternehmen und Institutionen bei der Digitalisierung ihres Marketings, insbesondere bei der Ausrichtung des Employer Brandings und der strategischen Kommunikation.

 

 

Cookies & Skripte von Drittanbietern

Diese Website verwendet Cookies. Für eine optimale Performance, eine reibungslose Verwendung sozialer Medien und aus Werbezwecken empfiehlt es sich, der Verwendung von Cookies & Skripten durch Drittanbieter zuzustimmen. Dafür werden möglicherweise Informationen zu Ihrer Verwendung der Website von Drittanbietern für soziale Medien, Werbung und Analysen weitergegeben.
Weitere Informationen finden Sie unter Datenschutz und im Impressum.
Welchen Cookies & Skripten und der damit verbundenen Verarbeitung Ihrer persönlichen Daten stimmen Sie zu?

Sie können Ihre Einstellungen jederzeit unter Datenschutz ändern.