Der -Player kann leider nur geladen werden, wenn Sie der Verwendung von Drittanbieter Cookies & Skripten zustimmen.

Sie haben zu einem früheren Zeitpunkt eine Auswahl zur Verwendung von Cookies & Skripten von Drittanbietern getroffen.

Klicken Sie hier um Ihre Auswahl zu ändern oder Ihre Zustimmung aufzuheben.

Der Brexit ist da – was ist noch zu tun?

persoperm Blog Brexit Titel

Heute, am 31. Januar 2020, ist es soweit und nicht alle haben das noch für möglich gehalten: Großbritannien tritt aus der Europäischen Union aus. Vor über dreieinhalb Jahren, genauer gesagt am 23. Juni 2016, entschieden sich 51,9% der britischen Bevölkerung für einen Austritt. Jahrelange Verhandlungen, mehrere Verschiebungen des Austrittsdatums und zwei Premierminister später, tritt zum ersten Mal ein Land aus der Europäischen Union aus.

Die EU und Premierminister Boris Johnson verständigten sich darauf, dass nach dem Brexit bis zum Ende des Jahres eine sogenannte Übergangsphase existiere, damit man ein Freihandelsabkommen verhandeln könne. Vorbilder für dieses Handelsabkommen sind Norwegen, Island und die Schweiz, die keine Mitglieder der EU sind, jedoch einige Vorteile (wie z.B. die Binnen- und Reisefreiheit) genießen. Für Unternehmen, auch in Thüringen, hat der Austritt teilweise weitreichende Auswirkungen. Persoperm gibt Ihnen einen Überblick, worauf es bei den Verhandlungen ankommt, damit ein endgültiger Austritt der Briten so wenig Schaden wie möglich anrichtet.

persoperm Blog Brexit 1

 

Verhandlungsschwerpunkt: EU-Binnenmarkt und Zollunion

Die Grundfreiheiten der Warenverkehrs-, Dienstleistungs-, Kapitalverkehrs- sowie die Niederlassungsfreiheit sind für die europäischen Mitgliedsstaaten das Herz für ihre Wirtschaft. Sollte man sich bis zum 31.12.2020 nicht einigen, würde dies einen radikalen Schnitt für die europäische Wirtschaft bedeuten. Waren und Personen müssten dann wieder an den Grenzen überprüft werden. Allein den Hafen von Dover nutzen jeden Tag mehr als 10.000 Lkw – nur vier Prozent davon müssen zurzeit durch den Zoll. Sollte sich das ändern, droht der Hafen zu verstopfen. Gleiches gilt auch für Häfen in der EU. Des Weiteren wäre dann auch der Reiseverkehr von Zollkontrollen betroffen. Die europäischen Fluggesellschaften würden ihre Lizenzen verlieren, um aus und in das Vereinigte Königreich zu fliegen. Außerdem würden viele englische Unternehmen ihren Standort wechseln. Man befürchtet ein Schaden in Milliardenhöhe für den britischen Haushalt. Ein anderes Beispiel hierfür wäre die britische Autoindustrie: Knapp über 40% der auf der Insel gefertigten Automobile werden in die EU exportiert. Von den 190.000 Arbeitsplätzen in dieser Sparte könnten in zehn Jahren nur noch die Hälfte bestehen. 

 

Deutschlands Brexit Sorgen und Problemlöser

Aber auch die deutsche Wirtschaft muss sich darauf vorbereiten. Insgesamt 17,3% unserer Wirtschaftsleistungen hat eine Verbindung zu Großbritannien. Viele befürchten eine Schwächung der Wirtschaftskraft. Vor allem die Nutzfahrzeug- und Automobilbranche, aber auch die Chemieindustrie erwarten sinkende Umsatzzahlen. Deswegen arbeitet ein wichtiger Wirtschaftsstandort schon seit 2017 auf Hochtouren um eine Alternative zu schaffen. Und das mit Erfolg! Denn aktuell konnte die Hansestadt Hamburg größere Auswirkungen abschwächen. Die zugleich zweitgrößte Stadt Deutschlands, die mit mehr als 1.000 Unternehmen aufwarten kann, die den Hafen nutzen und zugleich Handels- und Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien pflegen, haben die Gefahr früh genug erkannt.

persoperm Blog Brexit 2

Planungen zufolge, wurden zusätzliche Wirtschaftsverknüpfungen mit weiteren Konzernen aus anderen Staaten abgeschlossen. Anders sieht es beim größten Hauptzollamt aus, welches ebenfalls in Hamburg ansässig ist. Dort befürchtet man das, sollte Großbritannien sich nicht mit der EU einigen können, die Briten automatisch den Status als „Drittland“ annehmen würden. Fraglich wäre dann ob Warenlieferungen, etwa aus dem Drittland China, weiterhin über Großbritannien die EU erreichen werden. Daraus könnten sehr wahrscheinlich Lieferungsengpässe folgen.

 

EU-Bürger könnten ihren Arbeitsplatz verlieren

EU-Bürger, die aktuell in Großbritannien leben und arbeiten, werden nach dem Ende der Übergangsphase vor einem riesigen Problem stehen. Denn sie könnten in Zukunft eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Arbeitserlaubnis benötigen, um weiterhin in Großbritannien arbeiten und leben zu dürfen. Allerdings kann es hier durchaus zu Schwierigkeiten kommen. Denn aktuell ist die Lage in Großbritannien folgendermaßen: Menschen aus Nicht-EU-Ländern, die im Land arbeiten möchten, müssen einen Mindestverdienst von rund 44.000 Euro im Jahr vorweisen, um überhaupt eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Damit möchte das Land vor allem hochqualifizierte Menschen locken. Sollte diese Vorgabe nun allerdings auch für die Arbeiter aus den EU-Staaten gültig werden, wird sich der Fachkräftebedarf der Insel mittelfristig verändern.

persoperm Blog Brexit 3

Diese Regelung würde jedoch erst mit Ende der Übergangsphase am 31.12.2020 in Kraft treten. Bis dahin bleibt dies, im Rahmen der innereuropäischen Arbeitnehmerfreizügigkeit, wohl unangetastet. Aktuell gehen rund 2,2 Millionen Menschen aus dem EU-Ausland in Großbritannien einer Arbeit nach. Ohne vernünftige Regelung würden etliche Menschen zunächst ohne eine Arbeitserlaubnis dastehen, da sie nicht im geforderten Maße verdienen. In einem solchen Fall würden die Menschen nicht nur ihre Arbeit verlieren, sondern auch ihren Aufenthaltsstatus im Vereinigten Königreich. Das ist für die Arbeitnehmer aus dem europäischen Ausland weit weniger dramatisch, wie für die britischen Unternehmen selbst. Dabei geht es nicht nur um die Jobs von Experten oder von Führungspositionen. Besonders dramatisch würde sich der Effekt auf den traditionell eher gering bezahlten Berufszweigen in der Gastronomie, in der Landwirtschaft und dem Hotelgewerbe auswirken. Jobs, die nicht leicht durch die Briten selbst, lückenlos besetzt werden können.

Die meisten Experten gehen daher davon aus, dass dieser Effekt durch eine entsprechende Gesetzgebung abgemildert werden könnte. Denn tritt das oben genannte Szenario in Kraft, würden viele Unternehmen in Großbritannien Personal verlieren und könnten ihren alltäglichen Betrieb nicht mehr aufrechterhalten. Es ist also ratsam, dass die Vertragspartner eine Regelung finden, die sich für Gering- sowie Gutverdiener gleichermaßen positiv auswirkt.

 

Briten wechseln die Staatsbürgerschaft

Mit dem Brexit ändern sich selbstverständlich auch die Bedingungen für britische Arbeitnehmer in Deutschland. Allerdings wurde bereits verkündet, dass es hier von deutscher Seite aus betrachtet keine Schwierigkeiten geben solle. Es wird zwar ein wenig mehr Bürokratie notwendig sein, da eine Arbeitserlaubnis und ein Aufenthaltstitel eingeholt werden muss, doch sind diese in der Regel an keine besonderen Bedingungen geknüpft. Einige Ausländerbehörden haben sich bereits auf diese Situation mit gesonderten Meldeverfahren eingestellt. Somit wird der Brexit für britische Staatsbürger in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern eher glimpflich verlaufen. Dennoch ist zu beobachten, dass in den letzten Jahren der Diskussionen und Unsicherheiten etwa 15.000 Briten die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben.

 

Auch Schüler und Studierende werden betroffen sein

Sowohl für Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Erasmus-Programms als auch für alle Studierenden aus EU-Ländern wird sich in Zukunft einiges ändern. Denn die Folgen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU trifft auch diese Gruppe ungebremst. Vor allem wird sich das sowohl finanziell bemerkbar machen, wie auch bei der Anerkennung von Studienleistungen und Studienbescheinigungen.

persoperm Blog Brexit 4

Bisher steht fest, dass Studierende aus EU-Ländern bis zu Beginn des Wintersemesters 2020/2021 in England, Nordirland und Wales weiterhin den „Home fee status“ genießen dürfen und demnach gleich behandelt werden wie britische Staatsbürger. Im Anschluss steht vor allem der finanzielle Aspekt wesentlich deutlicher im Fokus. Ein gutes Beispiel ist die Universität von Oxford. Hier zahlen sowohl Einwohner Großbritanniens als auch EU-Studierende rund 4.000 Pfund Sterling pro Semester, was derzeit etwa 4.500 Euro entspricht. Studierende aus Ländern außerhalb der EU müssen allerdings einen Betrag von rund 15.000 Pfund bezahlen. Mit dem Brexit ist es durchaus wahrscheinlich, dass diese Regeln auch für EU-Studierende übernommen werden. Der Preis für ein Studium an einer bekannten Universität wie Oxford wird somit fortan für die meisten Studierenden aus dem EU-Ausland zu teuer sein. Es scheint allerdings fraglich, ob diese Lösung für Universitäten auf Dauer tragbar ist. Denn die Studierenden aus dem EU-Ausland sind nicht nur ein wichtiger Kapitalgeber für viele der britischen Universitäten, sie tragen durch ihre Leistung bei Forschung auch zur Reputation und zum allgemeinen Bekanntheitsgrad bei.

Letztlich wird auch die internationale Zusammenarbeit von Wirtschaft und Forschung nicht gerade erleichtert. Die zu erwartenden größeren bürokratischen Aufwendungen kosten Zeit und Geld. Zeit, die wir in Zeiten der Digitalisierung nicht habe und Zeit, die sich vor allem Großbritannien mit seinem geringen industriellen Mittelstand nicht leisten kann. Auch Thüringer Unternehmen bekommen dies bereits oder werden es zeitnah zu spüren bekommen. Die Suche nach anderen innereuropäischen Partner-Hochschulen hat für viele deutsche Unternehmen bereits begonnen.

Umgekehrt verlieren auch deutsche Hochschulen und Unternehmen wichtige Partner. Mühevoll aufgebaute Kooperationen müssen nun Kraftakte in Kauf nehmen, um weiterzubestehen oder werden aus Gründen von Wirtschaftlichkeit möglicherweise enden.

 

Die Uhr tickt

Mit Beginn des Jahres 2021 wird hoffentlich vieles geklärt sein. Aber bis dahin heißt es für Boris Johnson und Ursula von der Leyen: Handeln, handeln und handeln. Ganz Europa liegt in ihren Händen. Ein aufkommender Konflikt an der Grenze zwischen Irland und Nordirland? Benötigen Urlauber zukünftig ein Visum für ein London-Wochenende? Datenroaming weiterhin in GB kostenlos? Verlieren Fähren und der Eurotunnel ihren Wert? Verfällt die gesamte Insel in ein Wirtschaftschaos? Was passiert mit Gibraltar? Und was unternehmen die Schotten mit ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit? Fragen über Fragen – Szenarios hier und Katastrophen für Europa da. Doch um dieses und jenes zu klären bzw. zu verhindern, verbleiben für die Verhandlungspartner noch genau 11 Monate. Die Zeit läuft!

 

Mehr Themen wie dieses? Schreibt uns, was Euch interessiert!

 

Bildquelle: Pete Linforth auf Pixabayfreestocks.org from PexelsKarsten Bergmann auf PixabayWolfgang Claussen auf Pixabay

Cookies & Skripte von Drittanbietern

Diese Website verwendet Cookies. Für eine optimale Performance, eine reibungslose Verwendung sozialer Medien und aus Werbezwecken empfiehlt es sich, der Verwendung von Cookies & Skripten durch Drittanbieter zuzustimmen. Dafür werden möglicherweise Informationen zu Ihrer Verwendung der Website von Drittanbietern für soziale Medien, Werbung und Analysen weitergegeben.
Weitere Informationen finden Sie unter Datenschutz und im Impressum.
Welchen Cookies & Skripten und der damit verbundenen Verarbeitung Ihrer persönlichen Daten stimmen Sie zu?

Sie können Ihre Einstellungen jederzeit unter Datenschutz ändern.