Der -Player kann leider nur geladen werden, wenn Sie der Verwendung von Drittanbieter Cookies & Skripten zustimmen.

Sie haben zu einem früheren Zeitpunkt eine Auswahl zur Verwendung von Cookies & Skripten von Drittanbietern getroffen.

Klicken Sie hier um Ihre Auswahl zu ändern oder Ihre Zustimmung aufzuheben.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz – eine unterstützende Maßnahme?

persoperm Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Immer häufiger schreiben Unternehmen Stellen aus, die zwar gut bezahlt sind und hervorragende Entwicklungsperspektiven bieten, jedoch aufgrund eines Mangels an Bewerber*innen nicht besetzt werden können. Der Mangel an Fachkräften betrifft dabei branchenübergreifend Unternehmen in allen Größen: Es fehlen Handwerker, Ingenieure, Ärzte, Pflegekräfte und viele mehr. Um dieser Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig entgegenzuwirken, ist am 1. März 2020 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz sollen bestehende Regelungen gezielt gelockert, sowie klarer und transparenter gestaltet werden, wobei der Schwerpunkt auf die Gewinnung von Fachkräften mit qualifizierter Berufsausbildung liegt. Laut dem neuen Gesetz ist eine Fachkraft eine Person mit beruflichem Abschluss oder Hochschulabschluss. Voraussetzung hierfür ist die Anerkennung dieser Qualifikation.

 

Analyse: Wo drückt der Schuh

Zwar gibt es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel über alle Branchen und Regionen hinweg, jedoch haben sich die Fachkräfteengpässe in einigen Berufen verfestigt und tangieren inzwischen das ganze Bundesgebiet.

Besonders betroffen sind Berufe aus dem Handwerk, der Metall- und Elektroindustrie sowie dem sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Naturwissenschaften und Technik). Darüber hinaus gehören auch viele Gesundheitsberufe, wie beispielsweise die Altenpflege, schon sehr lange zu den Engpassberufen und weisen einen flächendeckenden Fachkräftemangel auf.

 

Vielerorts sind Probleme bei der Stellenbesetzung bereits zur Regel geworden, wie das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (www.kofa.de) analysierte. Während im Jahr 2011 noch 43 Prozent aller Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben waren, waren im Jahr 2019 bereits 79 Prozent aller offenen Stellen in Berufen ausgeschrieben, in denen Fachkräfteengpässe bestehen (KOFA-Studie 2/2019: Fachkräftesicherung in Deutschland – diese Potenziale gibt es noch).

Ein Grund für die sich zuspitzende Situation auf dem Arbeitsmarkt, ist der demografische Wandel und die damit verbundene Alterung des Erwerbspersonenpotenzials: Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit, die sogenannten Babyboomer, gehen nach und nach in den Ruhestand, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken. Da Jugendliche heute nicht nur weniger sind, sondern auch häufiger ein Abitur haben und studieren, ist es insbesondere in Berufen, die einen Aus- oder Fortbildungsabschluss erfordern, immer schwieriger geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung erreichte daher die Nachfrage von Jugendlichen nach dualen Ausbildungsplätzen im Jahr 2019 einen neuen Tiefstand.

 

Im Süden mangelt es an Fachkräften – aber auch im Osten verschärft sich die Situation

Der Fachkräftemangel unterscheidet sich nicht nur nach Berufsgruppen – auch regional gibt es Unterschiede. So sind die wirtschaftsstarken Bundesländer im Süden Deutschlands besonders betroffen. In Bayern und Baden-Württemberg ist der Anteil an Stellen in Engpassberufen mit 86 bzw. 88 Prozent am größten, wie die KOFA-Bundesländersteckbriefe zeigen. Aber auch in Thüringen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz wird inzwischen mehr als jede achte Stelle in einem Engpassberuf ausgeschrieben.

Die interaktive Karte des KOFA verdeutlicht, dass die Engpässe nicht flächendeckend sind, aber bestimmte Regionen besonders hart treffen.

Kofa-Studie

 

Geplante Maßnahmen

Eine gute Aus- und Weiterbildung von Arbeitnehmer*innen in Deutschland steht an erster Stelle der Fachkräftestrategie. Darüber hinaus macht es der demographische Wandel notwendig, ausreichend qualifizierte Fachkräfte am internationalen Arbeitsmarkt zu gewinnen. Dazu sind im Rahmen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes neue Perspektiven für Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern geschaffen worden. Diese umfassen folgende Neuerungen:

 

1. Öffnung des Arbeitsmarktes

Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern hatten bislang nur mit akademischer Ausbildung unbeschränkten Arbeitsmarktzugang. Künftig können auch Fachkräfte mit einer im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikation in allen Berufen ein Visum oder einen Aufenthaltstitel zur Beschäftigung erhalten. Es entfällt die Beschränkung auf Engpassberufe. Damit ist der deutsche Arbeitsmarkt nicht nur für Hochqualifizierte vollständig geöffnet, sondern auch für Menschen mit anerkannter Berufsausbildung.

Bei der Öffnung des Arbeitsmarktes für ausländische Fachkräfte sind insbesondere der wirtschaftliche Bedarf und die Qualifikation wichtig. So muss eine Fachkraft einerseits ein konkretes Arbeitsplatzangebot haben, um auch langfristig bleiben zu können. Andererseits muss die berufliche Qualifikation der Fachkraft gleichwertig zum deutschen Äquivalent sein (d.h. die Berufsanerkennung muss vorliegen). Für Fachkräfte wird keine Vorrangprüfung durchgeführt. Diese kann bei Verschlechterung der Arbeitsmarktlage kurzfristig wiedereingeführt werden. Der Wegfall der Vorrangprüfung beim Fachkräfteeinwanderungsgesetz wird laut Bundesministerium des Inneren folgendermaßen erläutert: „Damit muss nicht mehr vor jeder Einstellung einer Fachkraft aus einem Drittstaat festgestellt werden, ob ein inländischer oder europäischer Bewerber zur Verfügung steht“.

 

2. Erleichterung bei der Arbeitsuche

Um die Stellenbesetzung zu erleichtern, können Menschen mit Berufsausbildung für sechs Monate einen Aufenthalt zur Arbeitsplatzsuche erhalten. Voraussetzung ist, dass die Fachkraft eine anerkannte Qualifikation, die notwendigen Deutschkenntnisse und einen gesicherten Lebensunterhalt vorweist. Während der Suche kann eine Probearbeit bis zu zehn Wochenstunden in dem späteren Beruf ausgeübt werden. Damit werden beispielsweise Praktika bei einem potenziellen Arbeitgeber möglich. Fachkräfte mit akademischer Ausbildung können wie bisher schon für sechs Monate zur Arbeitsuche einreisen. Sie dürfen künftig ebenfalls eine Probearbeit bis zu zehn Wochenstunden in dem späteren Beruf ausüben. Besondere Sprachkenntnisse müssen sie nicht vorweisen.

 

3. Erleichterungen im Anerkennungs- und Visumverfahren

Die Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation ist wesentlich, damit eine Fachkraft aus einem Nicht-EU-Land einen Aufenthaltstitel zur Beschäftigung erhalten kann. Vor allem im nichtakademischen Bereich kommt es vor, dass eine ausländische Qualifikation erst als gleichwertig anerkannt wird, wenn sich die Person in Deutschland praktisch oder theoretisch nachqualifiziert. Das Fachkräfteeiwanderungsgesetz erweitert die Möglichkeiten des Aufenthalts zur beruflichen Anerkennung. Außerdem wird mit dem beschleunigten Fachkräfteverfahren eine neue Möglichkeit geschaffen, unter Einbindung des Arbeitsgebers und der örtlichen Ausländerbehörde in einem zeitlich absehbaren, planungssicheren Verfahren ein Visum zu erhalten.

 

4. Bessere Perspektiven für Fachkräfte

Menschen, die als Fachkräfte zu uns kommen, sollen Teil unserer Gesellschafft werden. Dazu gehört auch, dass sie eine sichere Perspektive für ihre Zukunft in Deutschland haben. Fachkräfte, die einen deutschen Hochschulabschluss oder eine deutsche Berufsausbildung haben, können künftig nach zwei Jahren Beschäftigung eine Niederlassungserlaubnis bekommen und Fachkräfte mit ausländischem Abschluss nach vier Jahren.

 

Auch Studenten und Azubis genießen Vorteile:

Für Studieninteressierte ist es bereits möglich gewesen, zur Studienplatzsuche einzureisen. Nach der neuen Regelung können auch Ausbildungsinteressierte einreisen, um einen Ausbildungsplatz zu suchen. Vorausgesetzt werden dabei Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2, ein Abschluss einer deutschen Auslandsschule oder ein Schulabschluss, der zum Hochschulzugang berechtigt, ein Höchstalter von 25 Jahren und die eigenständige Lebensunterhaltssicherung.

Internationale Studierende haben bereits die Möglichkeit, auch bevor sie ihr Studium abgeschlossen haben, in andere Aufenthaltstitel zu wechseln. Sie können zum Beispiel, anstatt ihr Studium fortzuführen, eine Berufsausbildung beginnen und dafür eine Aufenthaltserlaubnis für die Ausübung einer beruflichen Ausbildung erhalten. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz baut diese Wechselmöglichkeiten aus: Unter besonderen Voraussetzungen und nach Prüfung durch die BA, kann bereits während eines Studienaufenthalts oder eines Aufenthalts zur beruflichen Aus- oder Weiterbildung ein Arbeitsplatzangebot als Fachkraft angenommen werden. Damit einher geht der Wechsel in eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer qualifizierten Beschäftigung.

Ausländische Absolventen einer Berufsausbildung in Deutschland können durch das neue Gesetz, ebenso wie Hochschulabsolventen, bereits nach zwei Jahren eine Niederlassungserlaubnis erhalten.

 

 

Kritik aus der Zeitarbeit

In der aktuellen Fassung schließt es die Zeitarbeitsbranche bei der Anwerbung und Beschäftigung von Fachkräften aus Drittstaaten aus. Der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister e. V. (BAP) findet dazu:

„Das ist nicht nur diskriminierend, sondern angesichts von Fachkräftemangel und digitalem Wandel auch kurzsichtig. Die Erfahrung und Expertise der Personaldienstleister könnten kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen, geeignete Fachkräfte außerhalb der EU zu rekrutieren. Zusätzlich könnten die Zeitarbeitsunternehmen den beim digitalen Wandel dringend benötigten IT-Fachkräften aus Drittstaaten, die jedoch des Öfteren im Projektbereich nur für kürzere Zeit gebraucht werden, eine langfristige Beschäftigungsperspektive in Deutschland bieten. Die Einwanderung von Fachkräften gesetzlich zu fördern und gleichzeitig jenen Wirtschaftszweig auszuschließen, der dafür bestens geeignet ist, ist paradox.“

 

Welche Alternativen hätte es gegeben bzw. was machen andere Staaten?

Bislang hatten verschiedene Politiker, unter ihnen Vertreter von SPD, FDP und Grünen, ein Einwanderungsgesetz nach dem Vorbild Kanadas oder Australiens gefordert. Beide Staaten erlauben Zuwanderung per Punktesystem: Wer mit Sprachkenntnissen, Ausbildung, Anpassungsfähigkeit, Alter und Berufserfahrung eine bestimmte Punktzahl erreicht, darf immigrieren. Auch Neuseeland hat ein Punktesystem für Einwanderer, dort werden jährlich 45 000 Einwanderungstickets vergeben. In Australien wird teils rigoros zwischen den vielen Bewerbern gewählt: An Zuwanderern über 45 Jahren ist das Land oft gar nicht erst interessiert.

In den USA wird die Zuwanderung von hochqualifizierten bis zu ungelernten Arbeitskräften in vier Kategorien unterteilt, die in den meisten Fällen ein Arbeitsangebot vorweisen müssen. Auch Unternehmensgründer oder solche, die in Unternehmen investieren, können Visa erhalten. Zusätzlich verlosen die USA jährlich 55 000 Visa an Bewerber. Die Vergabe der sogenannten Green Cards will die US-Regierung künftig eindämmen. Davon könnten laut New York Times 382 000 Menschen betroffen sein.

 

Kritik, Lob, Unverständnis.

Seit November 2018, als ein Referentenentwurf zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz erstmals öffentlich diskutiert wurde, spalten sich die Meinungen von Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Nach mehreren Jahren Diskussion könnte es eine bahnbrechende Änderung sein, die Deutschland dringend nötig hat, da unser Land in den letzten Jahren mehr „Abgänge“ als „Zugänge“ verzeichnet. Sollte Deutschland diese Zuwanderung nicht zulassen, würden bis 2060 16 Millionen Erwerbspersonen fehlen.  Das wären immerhin knapp ein Drittel nach heutigem Stand!

Seit Jahren reden wir vom Fachkräftemangel und dieses Gesetz ist das erste richtige Signal unserer inzwischen alteingesessenen GroKo, dass man etwas unternehmen muss, aber noch keinen ganzheitlichen Plan besitzt. Natürlich haben die meisten Abgeordneten mitbekommen, dass jetzt die Weichen zu stellen sind, damit wir dem Szenario wirtschaftlicher Systemkollaps aus Mangel an Arbeitskräften entgehen können. Dennoch ist der gesetzliche Ansatz, der uns hier vorliegt, kein Meilenstein für den Fachkräftemangel. Das neueingeführte Gesetz ist sicherlich ein guter Anfang, klammert aber ebenso die eigentlich brennenden Fragen zur Digitalisierung und der daraus resultierenden Veränderung des Arbeitsmarktes aus. Klar gilt es den akuten bis kurzfristigen Bedarf decken zu können, aber man schiebt das große Ganze, wie ein Mistkäfer seinen Mist, weiter vor sich her. Außerdem entsteht hierbei eine Abgängigkeit: Wenn keine Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland einreisen – sei es wegen attraktiverer Angebote aus anderen Ländern oder dem immenrnoch vergleichsweise hohen Anforderungen, können Vakanzen auch weiterhin nicht besetzt werden.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz scheint auf den ersten und auch zweiten Blick ein solider Plan zu sein. Mittel- bis langfristig wird es die Fachkräfteprobleme dennoch nicht lösen. Vielleicht wurde auch deshalb die Vorrangprüfung nur ausgesetzt, statt gänzlich gestrichen. Das ist einerseits clever, zeigt aber andererseits, dass man sich womöglich bewusst ist, dass das Gesetz kein Teil einer permanenten Lösung für das Gesamtproblem darstellt. Damit verzichtet man zur Abwechslung zwar auf die üblichen Placebos, bekämpft letztlich aber wieder nur die Symptome und wartet auf eine selbstinitiierte spontane Wunderheilung. Die „erkaufte“ Zeit könnte für eine Lösung genutzt werden, sofern man sich nicht damit begnügt nur die guten Ansätze des Gesetzes und entstehende Erfolge zu bewundern.

 

Bildquelle: truthseeker08 auf PixabayStockSnap auf Pixabay; www_slon_pics auf Pixabay; succo auf Pixabay

 

 

 

 

 

 

Cookies & Skripte von Drittanbietern

Diese Website verwendet Cookies. Für eine optimale Performance, eine reibungslose Verwendung sozialer Medien und aus Werbezwecken empfiehlt es sich, der Verwendung von Cookies & Skripten durch Drittanbieter zuzustimmen. Dafür werden möglicherweise Informationen zu Ihrer Verwendung der Website von Drittanbietern für soziale Medien, Werbung und Analysen weitergegeben.
Weitere Informationen finden Sie unter Datenschutz und im Impressum.
Welchen Cookies & Skripten und der damit verbundenen Verarbeitung Ihrer persönlichen Daten stimmen Sie zu?

Sie können Ihre Einstellungen jederzeit unter Datenschutz ändern.