Der -Player kann leider nur geladen werden, wenn Sie der Verwendung von Drittanbieter Cookies & Skripten zustimmen.

Sie haben zu einem früheren Zeitpunkt eine Auswahl zur Verwendung von Cookies & Skripten von Drittanbietern getroffen.

Klicken Sie hier um Ihre Auswahl zu ändern oder Ihre Zustimmung aufzuheben.

Ausbildung oder Studium – wie sieht heute der richtige Lebensweg aus?

Durchorganisiert in die 1. Klasse

Die Karriereplanung findet bei einigen, nicht immer ganz freiwillig, bereits relativ früh statt. In den wenigsten Fällen sind die Kinder und Jugendlichen daran beteiligt. Die Violinenstunde extra, ein Zusatzkurs für Mathe oder noch eine dritte Sportart erlernen. Was nach einem vollgestopften Albtraum der Qualifikationen klingt, führt nach Bildungsexperten selten zum größeren Erfolg. Sicherlich aber zum vorzeitigen Burn Out. Wenngleich nichts gegen ein gutes Angebot an Bildung und Freizeitaktivitäten spricht, sollte nicht der Lebenslauf, sondern das eigene Interesse, Spaß und – ebenfalls durch die meisten Experten vertreten – das Spiel im Vordergrund stehen.

Danach fängt es meist aber erst richtig an. Realschule oder Abitur, Ausbildung oder Studium. Erfolg als Maßstab für ein gutes Leben. Auch wenn ein Umdenken zu bemerken ist. Common Sense ist es allerdings noch nicht. Noch immer versuchen engagierte Eltern ihr Kind zum Abitur zu führen – nicht immer zum Besten des Kindes selbst. Das Ziel ist die Studienbefähigung um jeden Preis, damit auch mal was aus dem Kind wird. Und nicht nur Eltern befeuern diese aus vielerlei Blickrichtungen etwas antiquierte Betrachtung von Leben und Arbeiten im 21. Jahrhundert. Es ist die Herabstufung der Ausbildung gegenüber dem Studium, es ist das Festhalten an überholten Idealen einer Arbeitswelt, die so schon seit geraumer Zeit nur noch in den Köpfen derer existiert, die sich dem Wandel verschließen.

   

Viele Köche haben ihr eigenes Rezept

Doch beginnen wir beim Bildungssystem selbst, bevor wir über Eltern, Lehrer, Unternehmen, Politik und die ganzen anderen Bestimmer sprechen, die alle mitreden wollen, aber nur selten die Fragen, die diesen Prozess über sich ergehen lassen müssen. Da hilft auch nicht die perfide Äußerung, dass man da auch durchmusste und es einem nicht geschadet hat. Ein größeres Zeichen von Verweigerung sich notwendiger Veränderungen zu stellen, kann es kaum geben.

Nun soll hier nicht zum wiederholten Male lang und breit über die notwendigen Änderungen bei Digitalisierung von Schule, Modernisierung von Lernmethoden und eine umfassende Aktualisierung der Lerninhalte argumentiert werden. Zumindest letztere, sind aber unmittelbar Teil der Problematik. Dazu kommen wir aber später. Ein ebenso großes Problem besteht für Jugendliche darin, dass bei der Entscheidung über den weiteren Werdegang auch entscheidet wird, in welchem Bundesland ich zur Schule gehe. Der Föderalismus war und ist in bestimmten Bereichen eine richtige und wichtige Sache. In der Nachkriegszeit war er in der Bildung, vereinfacht ausgedrückt, dafür gedacht, Schule vor politischen Missbrauch zu schützen.

  

Ein Potpourri der Abschlüsse

Heute stellt er Jugendliche durchaus vor Probleme. Denn längst entscheidet man sich nicht mehr nur zwischen einem einfachen Studium und einer einfachen Ausbildung. Verschiedene Studienfächer fordern unterschiedliche Qualifikationen und zusätzliche Eignungen. Fachhochschulen, private Hochschulen und dazu noch duale Studienplätze. Allein hier ist die Auswahl riesig. Bei der Ausbildung zeichnet sich ein ähnliches Bild. Die klassische duale Ausbildung steht der reinen schulischen Ausbildung gegenüber und auch hier kommen private Angebote hinzu. Jeder mit ganz eigenen Anforderungen, Einstiegskriterien oder unterschiedlicher Dauer und Abschlüssen. Dabei ist Abitur nicht gleich Abitur. Das führt bei Wechseln während und kurz nach der Schule teils zu erheblichen Komplikationen.

Gerade die unterschiedlichen Abschlüsse stellen ein zusätzliches Problem dar. Dabei reden wir hier nicht nur von den Bologna-Abschlüssen Bachelor und Master. Viele Unternehmen, besonders aus dem Mittelstand, tun sich nach wie vor schwer, diese neben dem Diplom richtig einzuordnen. Das führte bisweilen dazu, dass einige Hochschulen wieder ein Diplom einführen. Über die unterschiedlichen Abschlüsse in Studium und Ausbildung halten sich nur die wenigsten auf dem Laufenden. So kommt es nicht selten vor, dass man falsche Voraussetzungen in seine Stellenausschreibung packt und sich damit zusätzlich die Suche nach Fachkräften und Mitarbeitern, im aktuellen Arbeitnehmermarkt erschwert. Im öffentlichen Bereich ist es besonders auffällig, dass der Studiengrad über die eigentlich relevanten Qualifikationen gestellt wird. Das führt mitunter zu ineffektiven Besetzungen in partiell kritischen Bereichen.

  

Destruktive Vorsicht eines überholten Systems

Eine Zusammenführung zu einem bundesweiten Bildungssystem mit einheitlichen Standards der Lerninhalte und Methoden, sowie eine sinnstiftende Konsolidierung der verschiedenen Abschlüsse fordern diverse Experten seit Jahren vergeblich. Die Argumente dagegen sind dabei zwar nachvollziehbar, wie z.B. die Angst vor schlechteren Standards bei den Prüfungen, mittelfristig aber destruktive Vorsicht eines längst überholten Systems.

Diese Intransparenz und Entwertung sachorientierter Qualifikationen führt bei Unternehmen zu Frust und überträgt sich auf falsche Vorstellungen über Studierende und Auszubildende und deren Befähigung. So werden Klischees vom nicht praxistauglichen Studierten und dem nicht leitungsfähigen Auszubildenden verstärkt und manifestieren sich als handfeste Vorurteile in unseren Berufsalltag – mit fatalen Folgen für Unternehmen und Mitarbeiter, aber auch in unserer Gesellschaft. Unternehmen finden nicht die Arbeitskräfte, die sie suchen und Eltern haben die Vorstellung, dass nur das Studium den eigenen Kindern ein gutes und erfolgreiches Leben beschert. Selbst wenn die Kindheit dadurch notwendigerweise zusammengestrichen werden muss.

 

Lebensqualität rückt in den Vordergrund

Dabei entspricht das wenig dem Selbstverständnis junger Zielgruppen von der Generation Y über die Generation Z bis zu Alpha, wenn es um Arbeit geht. Denn schon bei der Generation Y zeichnet sich ein neuer Weg ab, der sich konsequent immer weiter verstärkt. Arbeit rückt in den Hintergrund, Werte wie Familie und Lebensqualität rücken in den Vordergrund. Dabei will man aber auf nichts verzichten. Work-Life-Balance und gute Vergütung schließen sich hier nicht aus. Im Gegenzug zu so manchen Vorurteilen sind die meisten Jugendlichen sich dem Prinzip von Leistung und Entlohnung durchaus bewusst. Ähnlich wie beim Respekt, empfindet es der Großteil aber als ein Geben und Nehmen, was für beide Seiten gleichermaßen gilt.

 

Dabei vergessen wir schnell, dass die schiere Zahl an Ausbildung und Studienmöglichkeiten eine enorme Kompetenz bei der Selektion benötigen. Etwas, was wir den Jugendlichen weder in der Schule, noch im Privaten gebührend lehren. Im Gegenteil, Helikopter- und Rasenmäher-Eltern wirken dem entgegen und unsere Beratungsangebote für Ausbildung und Studium hinken immer mindestens zwei Schritte dem Zeitgeist hinterher. Gemessen an den gegebenen Voraussetzungen leisten die meisten Jugendlichen eine erstaunliche Arbeit. Wenn sich Unternehmen und Hochschulen dann über Abbrüche bei Ausbildung und Studium, nicht ausreichender Qualifikation und Motivation beschweren, mutet das für junge Menschen nicht nur überheblich und herablassend an, sondern zeigt, dass die Institutionen selbst ihre Rolle bei diesen Missständen nicht verstanden haben.

 
Ausbildung muss man richtig fördern

Das unsere Vorgehensweise wenig durchdacht wirkt zeigt beispielsweise, dass wir vor mehr als einer Dekade eine großangelegte Kampagne, bundesweit, für ein Studium gefahren haben und uns seit ca. 2012 wundern, dass in einem starken Arbeitsmarkt Unternehmen immer schwieriger Auszubildende gewinnen können. Das ist nicht nur paradox, sondern auch von erstaunlicher Ahnungslosigkeit geprägt. Die Einfügung eines Mindestausbildungsgehalts ist dabei nur ein minimaler Schritt. Wollte man wirklich die Ausbildung fördern, so wäre der Mindestlohn für Auszubildende ab dem 1. Lehrjahr ebenso sinnstiftend, wie steuerliche Vorteile und Mobilitätsförderung. Sowohl Länder, wie auch Unternehmen tun sich, bis auf wenige Ausnahmen, sichtlich schwer damit. Für Studierende gibt es ebenso notwendige Verbesserungen.

 

Hinzu kommen die sich exponentiell steigernden Konsequenzen aus der Digitalisierung und der grundsätzlichen Veränderung des Arbeitslebens. Dies ständige Verfügbarkeit von Wissen und die stetige Weiterbildung im Beruf gehen dabei Hand in Hand. In seiner Gesamtheit erreichen die Defizite dabei kritische Ausmaße, die wir den jungen Menschen aufbürden, ohne auch nur über Lösungsstrategien ernsthaft nachzudenken. Wenn wir nicht aufpassen, verpassen wir hier die Schwelle, an der sich zukünftige Generationen überhaupt noch angemessen der notwendigen Weiterentwicklung annehmen können.

 

Meine Arbeit und ich

Ein letzter Punkt sind die veränderten Werteeinstellungen beim Thema Arbeit selbst. Hier geht es nicht um die schon zuvor genannten Erwartungen von guter Bezahlung und ausgewogener Work-Life-Balance. Es geht um die Arbeit selbst. Das eigene Schaffen. Ein immer wichtiger werdendes Kriterium für viele. Was bewirkt meine Arbeit? Welchen Anteil am Erfolg meines Unternehmens habe ich? Macht mich meine Arbeit glücklich? Was will ich im Leben erreichen? Und hier kommt die entscheidende Frage: Wie erreiche ich all dies?

 

Nun dürfen wir nicht vergessen, dass viele bei dieser Wand der Entscheidungen ohne wirkliche Option scheitern. Das macht diese Situation umso trauriger. Wir kreieren eine Situation, die je nach schulischer Leistung viel bis so ziemlich alles ermöglichen und zeitgleich bei bestimmten Defiziten statt passender Hilfe nur ein Restbuffet offerieren.

Da ist die Frage nach Ausbildung und Studium ein trauriges Premiumproblem. So lange wir aber nicht die Probleme im System als solches lösen, werden wir wohl kaum eine angemessene und vor allem dadurch sinnige Kategorisierung der Abschlüsse erreichen. Ein Verständnis, dass nicht die Ausbildung oder das Studium für ein individuell betrachtet erfolgreiches und erstrebenswertes (Arbeits-)leben wichtig sind, sondern die Arbeit selbst.

 

Die Entscheidung zu Fehlern muss erlaubt sein

Bis wir dahin kommen, sollte die entscheidende Frage nicht über Verdienst oder Aufstiegschancen gestellt werden. Entscheidend ist die Frage, was will ich wirklich tun und wie kann ich dies erreichen? Da kann eine Ausbildung viel erfolgsversprechender sein, als jedes Studium. Oder ein Studium nach der Ausbildung zur wahren Erfüllung werden. Eventuell erkennt man dabei neue Interessen und bewertet die eigenen Ziele noch einmal ganz neu. In einer Zeit in der Veränderung unseren Alltag prägt, ist es nie zu spät seine Profession noch einmal zu ändern.

Unternehmen tun gut daran über die hier genannten verschiedenen Punkte nachzudenken und sich den neuen Gegebenheiten kritisch zu stellen. Wer sich diesbezüglich nicht anpasst, verlagert und verstärkt das Problem nur in der Zukunft. Dabei liegt die Verantwortung nicht nur bei den Unternehmen. Es ist ein gesellschaftlicher Prozess, der uns hier bevorsteht. Bis es soweit ist, sollten wir über jeden Jugendlichen dankbar sein, egal ob er eine Ausbildung anstrebt oder lieber studieren möchte. Wichtig ist heute sich überhaupt zu entscheiden und auch Fehler zuzulassen und anschließend einen neuen Pfad zu beschreiten.

 

Bildquellen: Bild von yanalya auf Freepik; Bild von elnurfreepik auf Freepik; Bild con creativeart auf Freepik; Bild von thanakorn_kotpootorn auf Freepik; Bild von Chuck Underwood auf Pixabay; Bild von skeeze auf PixabayBild von Наталия Когут auf Pixabay

Cookies & Skripte von Drittanbietern

Diese Website verwendet Cookies. Für eine optimale Performance, eine reibungslose Verwendung sozialer Medien und aus Werbezwecken empfiehlt es sich, der Verwendung von Cookies & Skripten durch Drittanbieter zuzustimmen. Dafür werden möglicherweise Informationen zu Ihrer Verwendung der Website von Drittanbietern für soziale Medien, Werbung und Analysen weitergegeben.
Weitere Informationen finden Sie unter Datenschutz und im Impressum.
Welchen Cookies & Skripten und der damit verbundenen Verarbeitung Ihrer persönlichen Daten stimmen Sie zu?

Sie können Ihre Einstellungen jederzeit unter Datenschutz ändern.